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Hamburg

Hamburg im (weniger sonnigen) Mai

Ein Jahr lang gingen wir schwanger mit der Idee, die Produktion der Airbus Flugzeuge aus der Nähe anzuschauen. Hamburg drängte sich auf, nicht nur der Sprache wegen, sondern auch wegen der Direktflüge. Das (selbst bezahlte!) Unternehmen Vorstandsreisli wurde in den Wonnemonat Mai gelegt, der sich aber - wie alle Europäer sich erinnern - daneben benahm. Regenjacke und Pullover waren unsere häufigen Begleiter, aber ausser einer Wanderung der Elbe entlang von Övelgönne nach Blankenese konnten wir alle Unternehmen durchziehen

 

In Hamburg Finkenwerder werden die A318 bis A321 endmontiert sowie Komponenten der A330 und A350 hergestellt. Die meisten A380 erhalten in Hamburg ihre Inneneinrichtung. Mit der Spezial-A300-600 „Beluga“ werden Flügel, Rumpfsegmente und Triebwerke eingeflogen, andere Komponenten kommen per Schiff, Speziallastwagen oder Bahn. Rund 44 Airbusse der A320 Familie werden in Hamburg und Toulouse gebaut – pro Monat! Da kann man sich vorstellen, wie präzise die Logistik stimmen muss und welchen Stellenwert der Qualität zugeschrieben wird. 13'000 Leute arbeiten in zwei bis drei Schichten.

Die gelben Rumpfwände hängen an Förderbändern scheinbar wahllos herum, fügen sich aber dank Spanten und Stringern bald zu einzelnen Segmenten, wo auch bereits die elektrischen, pneumatischen und hydraulischen Komponenten eingebaut werden. Die fertigen Rümpfe werden in einer Halle ausgerüstet, Seite an Seite liegend und langsam vorwärtsgeschoben, damit alle Einbauten von spezialisierten Teams gemacht werden können. Am Schluss werden Elektrik, Hydraulik und die Druckkabine unter Bedingungen wie im täglichen Betrieb getestet. Zuletzt kommt noch das Seitenruder drauf, dann wird der Rumpf per Kran in die Endmontage transportiert.

Die Flügel kommen aus Bristol in England, ebenfalls funktionsfertig ausgerüstet. Die Flügelwurzel am Rumpf ist aus Stahl und weist 1000 Löcher auf, zum Teil gehohnt, damit die Beplankung des Flügels auf den Hundertstel genau befestigt werden kann. Die Flügelspitze hat eine Toleranz von 4/100 mm bezüglich V-Stellung! Airbus hat also keine tragenden Holme mehr, die Flügel hängen an der Beplankung, die natürlich entsprechend bemessen ist. Zuletzt kommen noch die Triebwerke und die Inneneinrichtung – und danach ist das Flugzeug bereit für „power-up“ und Erstflug.

Testflüge sahen wir leider keine, aber ab und zu die Landung einer A380 oder Beluga. Nach drei Stunden war die Führung zu Ende, und wir haben nicht einmal die Hälfte des Werkes gesehen... Leider ist striktes Fotografierverbot, weshalb ich hier nichts zeigen kann. Eine Führung lohnt sich unbedingt, anmelden kann sich jeder bei http://www.globe-tours.de/betriebsfuehrungen/airbus-werke.html

Aber auch der Rest von Hamburg ist sehenswert, wobei für uns Landratten die grosse Hafenrundfahrt besonders hervorstach. Die markante, elegante, sehr teure Elbphilharmonie war immer noch im Bau, weshalb wir sie nur von aussen anschauten. Das Prototypenmuseum war bei unserem Besuch unter anderem dem Lokalhelden in der Formel 1, Wolfgang Graf Berghe von Trips gewidmet, heute ist „50 Jahre Porsche“ in der Sonderausstelllung.

Doch, doch, St. Pauli haben wir auch gesehen, aber nur aus dem Fenster des Rundfahrtbusses... Es scheint ein krampfhafter Versuch zu sein, die 60er Jahre zu den Themen Sex, Musik und Kultur hoch zu halten.

Selbstverständlich gehörte auch die grösste Modelleisenbahnanlage der Welt, das Miniatur Wunderland ins Programm. Und nicht zu knapp. Heinz als unbestrittener Experte auch im Bahnwesen schleuste uns durch die endlosen Anlagen auf zwei Etagen im historischen Gebäude der Speicherstadt. Neueste Attraktion ist der „funktionierende“ Flughafen Knuffingen.